Autor: jutta

Die Angst vor der Angst.

Hustenanfälle, Erkältungen, Hohes Fieber. Kurze Nächte, wach neben dem Kind, hysterisch messe ich im 5 Minuten Abstand die Temperatur. Mein Ton ist rauh. Unfreundlich. Angespannt. Ich bin ungerecht, merke wie ich teilweise neben mir stehe und mich selber nicht erkenne. Mein Blutdruck ist viel zu hoch. Ich bin sauer, wütend und habe diese Angst, die mir die Kehle zuschnürt. Dazu hämmert es in meinem Kopf. „Ich wusste es…. habe ich es nicht gestern schon gesagt…. der bekommt Fieber….wir müssen wieder in die Klinik. Warum denn immer, immer wir und immer, immer wieder.“ Irgendwann ertrage ich niemanden mehr um uns herum. Lasse meinen Mann einfach hilflos in unserem Schlafzimmer zurück. Ich spüre seine Angst, seine Hilflosigkeit und genau das kann ich jetzt nicht abfangen. Ich kann nicht für dich da sein. Alle Kraft, alle Gedanken, alles in mir, ist bei dem Kind. Alles um mich herum schalte ich aus. Ich habe keinerlei Reserven, keine Energie und kann nichts mehr aufnehmen. Also stoße ich alles und jeden wütend von mir. Ich brauche Platz. Ich liege im Kinderzimmer …

Wir machen eine (Welt)reise.

Samstag, 1. Juni 2019. Wir sitzen in einem afrikanischem Restaurant in Holland und essen portugiesisches Hühnchen. Trinken Wein. Reden und lachen und dann fällt er mir wieder ein, mein Traum der letzten Nacht: Wir haben einfach so eine Auszeit genommen. Wie man das heute so macht, in der Elternzeit. Kinder einpacken und losfahren. Zeit haben, in den Tag reinleben. Fremde Städte sehen, neue Dinge lernen. Essen, wenn man hungrig ist, schlafen, wenn man müde ist und wach werden, wenn man ausgeschlafen hat. Einfach ohne Verpflichtung sein. Zeit haben. Keine Termine. Kein Druck. Keine Uhr. Nur dieses Gefühl von Ferien, Urlaub und Sommersonne. Ich fände es so toll für den Kleinen, wenn er mal einfach so rumtrödeln könnte. Sich in Dingen verzetteln kann. Die Dinge lernen kann, wenn sie „da“ sind und nicht weil es jetzt der nächste Entwicklungsschritt ist. Oder weil man das mit vier Jahren langsam können muss. Und ich hätte gerne die Zeit, um ihn das auch tuen tu lassen. Unsere Welt ist anders In unserer Welt, da klappt vieles nicht, alles entwickelt …

Schönreden.

Ab und zu könnte man glauben, ich würde mir das Alles nur schön reden. Dieses behinderte Kind, das ganze drum und dran.  Immer positiv, immer gut gelaunt und immer tu ich so, als wäre das alles gar nicht schlimm und keine Kastratophe. Als wäre eher das Gegenteil der Fall. Wollt ihr die Wahrheit wissen?  Ich besitze das, nennen wir es Talent, mir auch die blödeste und langweiligste Party mit ner warmen Cola schön zu trinken. Ich kann sowohl die Party mit musikalischer Begleitung eines Alleinunterhalters an der Orgel grossartig finden, als auch auf  Konzerten mit meinem Mann und seinem Musikgeschmack noch einen tollen Abend haben. Das funktioniert in vielen Fällen auch sonst in meinem Alltag. Ich halte mich nicht auf, mit Gedanken darüber, wie es sein sollte, damit es alles richtig und perfekt ist und ich bin dann nicht raus, sollte es dann doch alles anders kommen als ich es gerne gehabt hätte. „Wie wir die grossen Tage unter kleinen Dingen begraben, der Moment der die Wirklichkeit maskiert. Es tut nur gut zu wissen, dass …