Jahr: 2018

„Aber das wird er alles aufholen können, oder?“

Es gibt Fragen, die kommen einfach immer wieder. Eine davon, ist die Frage: „Aber das wird er ja alles aufholen können, oder? Mittlerweile gehen wir raus. Auf Spielplätze, auf Feste, in Parks und an den See. Wir treffen andere Kinder, andere Mütter und ja, auch ich komme mittlerweile mit einigen ins Gespräch während der Kleine mit den anderen Kindern spielt. Ich bin nicht schüchtern und auch bestimmt nicht auf den Mund gefallen. Aber im Zusammensein mit anderen Müttern tue ich mich immer noch schwer. Der Kleine ist ein sehr offenes und fröhliches Kind, was gerne mit anderen Kindern spielt. Er beobachtet kurz, geht hin und fragt ob er mitspielen darf. Meistens klappt das wunderbar, die Kinder spielen und die Eltern schauen zu, meist entsteht ein recht oberflächliches Gespräch. Smalltalk am Sandkasten. Je länger die Kinder aber spielen, desto deutlicher sieht man, dass mit dem Kleinen was nicht so 100%ig stimmt. Er ist kleiner und zarter für sein Alter, er läuft tapsiger und unsicherer und ist raus, sobald Treppen und Stufen ins Spiel kommen. Das sehen …

Wenn das Herz bis zum Hals schlägt

Anderthalb Stunden sind vorbei und wir stehen vor den Aufzügen, die uns nach oben zum OP Bereich bringen sollen. Im Spiegelbild des Fahrstuhls kann ich an der Bewegung meines T-Shirts tatsächlich mein Herz schlagen sehen.  Das ist die zweite OP in seinem kleinen Leben. Und ich weiss jetzt schon, sowas wie Routine oder Gewohnheit, dass werde ich nicht entwickeln. Je länger er bei uns ist, je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, ihn zusammen mit seinen Geschwistern rumalbern sehe, ihn bei mir habe, desto grösser scheint die Angst um ihn zu werden. In meinem Kopf läuft vor lauter Angst einfach alles durcheinander. Je mehr ich auch nur versuche ruhig zu bleiben, sachlich und vor allem auch realistisch, desto weniger klappt das. Mein Drang, auf alles vorbereitet zu sein, die Kontrolle über jede auch nur erdenkliche Situation zu behalten, lässt mich auch jede mögliche Situation im Kopf vorbereiten. Um mich herum könnte die Welt zusammen brechen, ich bleib stehen, meine eigenen Gefühle sind unter dem abarbeiten der notwendigen nächsten Schritte begraben und erst wenn alles gelaufen …

Einfach Mama.

Mein Kind hat die ersten Minuten seines Lebens auf dieser Welt nicht mit mir verbracht. Ärzte und Schwestern haben dafür gesorgt, dass er lebendig in dieser Welt ankommt, dass es ihm gut geht. Sie haben sich gekümmert und waren da. In dieser ersten Minute also, sind Ärzte und Schwestern ein Teil unseres Lebens geworden. Ich musste lernen abzugeben. Sie haben versorgt und alles in ihrer Macht stehende getan, damit es meinem kleine Sohn gut geht. Ich saß daneben. Ich konnte nichts anderes tuen, ausser dabei zu sein. Ich hatte ich die ersten Tage nicht viel zu tuen, nicht viel zu entscheiden oder zu helfen. Ich bin eine der Mütter, die das Leben und Wohlergehen ihres Kindes in die Hände fremder Menschen legen musste. Die erst einmal nur zuschaut, statt zu halten und zu schützen. Statt zu füttern und zu wickeln. Ich musste mein „Muttersein“ runterfahren, mein ganzes Tuen und Handeln basierte nicht mehr allein auf meinen Entscheidungen, meinem Instinkt. Was ist der nächste Schritt? Wann wird die Nahrung gesteigert, wann atmet er gut genug um …